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Seltene Spezies

Der ehrenwerte Winfried Tomczak, Vorstandsvorsitzender und leidenschaftlicher Genosse. Porträt im Mitgliedermagazin der Wohnungsgenossenschaft Duisburg-Mitte eG. Konzept und Text: ad poets, Elke Sichelschmidt. Grafik & Layout: bb wave visual concepts, Barbara Bays. I. A. der Wohnungsgenossenschaft Duisburg-Mitte eG.

Genosse aus Leidenschaft
Vorstandsvorsitzender Winfried Tomczak immer im Gespräch
Seit 18 Jahren steht er als Vorstandvorsitzender an der Spitze unserer Wohnungsgenossenschaft. Und das ist für Winfried Tomczak nicht irgendein Posten, sondern Berufung. Denn er hat sich genau diesen Job gewünscht und ihn bekommen. Bestimmt auch, weil er gut rechnen kann, aber vor allem, weil er ein seltenes Exemplar ist: Ein Mann mit Prinzipien, Visionen und Herz.

Neue Heimat
Zur Wohnungswirtschaft kam der gelernte Bankkaufmann und Dipl.-Betriebswirt über seinen Uni-Professor. So war er nach dem Studium zunächst in einem Prüfungsverband der Branche tätig. Darauf folgte ein lukratives Engagement bei einem großen kommunalen Wohnungsunternehmen in Krefeld. 1993 brachte ihn das Schicksal in Gestalt seines Freundes Ulrich Bücher, heute Vorstand einer Essener Wohnungsgenossenschaft, zu uns. Aufsichtsratsvorsitzender Heinz Georg Weiß hatte damals händeringend einen neuen Vorstandsvorsitzenden gesucht. Bücher empfahl Winfried Tomczak und Heinz Georg Weiß unterbreitete diesem bald ein Angebot.

Lange überlegen musste der damals 39-jährige nicht. Denn er wollte unbedingt zurück in seine Heimat. Tomczak liebt Duisburg. „Und das, obwohl ich aus dem finstersten Neumühl stamme“, lacht er. „Aber wissen Sie, Duisburg ist viel attraktiver als sein Image. Auch landschaftlich. Außerdem besitzen wir den größten Binnenhafen der Welt, eines der besten Autobahnsysteme, das die ich kenne und haben den Strukturwandel von der Stahlstadt zum Top-Dienstleistungsstandort wunderbar hinbekommen. Man kann hier wirklich prima leben. Und mir persönlich gefällt der Menschenschlag sehr. Glauben Sie mir“, bekennt er offen, „nach meinen Jahren am Niederrhein weiß ich das noch mehr zu schätzen.“

Solide Basis
Mit seinem Wechsel vom Krefelder Immobilienriesen zur Wohnungsgenossenschaft Duisburg-Mitte verwirklichte sich für Tomczak aber auch in anderer Hinsicht ein inniger Wunsch. „Ich wollte schon immer für eine Genossenschaft arbeiten. Das ist für mich die solideste Form des Eigentums, die allen Beteiligten eine Menge Vorteile bietet. Ich sag immer, in gewissem Sinne sind die Mitglieder meine Vorgesetzen. Wir können ihnen nicht mal eben wegen Eigenbedarf kündigen. Denn sie haben Mitsprache- und auch Dauernutzungsrecht. Und ganz wichtig:“, ergänzt er begeistert „Eine Genossenschaft kann nicht feindlich übernommen werden.“

Das stimmt. Wo auch sonst gibt es so viel Transparenz? Auf dem freien Wohnungsmarkt, lassen sich Besitzer kaum vom Mieter in die Karten gucken, was sie mittelfristig mit ihrer Immobilie planen. Zudem können wir Genossenschaftler uns auf eine gleichbleibend hohe Wohnqualität verlassen. 28 Mio. Euro hat das Unternehmen alleine in den letzten 15 Jahren in Instandhaltungen investiert. Also ist alles immer sehr gepflegt. Das Kapital dafür hat Winfried Tomczak natürlich auch durch maßvolle Mietanpassungen beschafft, aber nur im Interesse der Gemeinschaft. Apropos Mittel. Warum sind genossenschaftliche Inhaberschuldverschreibungen eigentlich so attraktive Geldanlagen, Herr Tomczak? „Weil ich darauf so gut aufpasse“ grinst er zufrieden und meint das ganz ernst. „Unser Zinssatz liegt immer über dem, was Sie sonst im risikofreien Bereich bekommen.“ Er fühlt sich verantwortlich, gerade auch weil er viele Genossenschaftler persönlich kennt.

Offene Türen

Das müsste nicht zwingend so sein. Doch Winfried Tomczak ist kein Typ, der sich im Büro verschanzt und Zahlen jongliert. Er sucht gezielt den engen Kontakt zu Mitgliedern, Mitstreitern und Mitarbeitern. So versteht er nicht nur das Amt als Vorstandssprecher und alles Kaufmännische als seine Aufgaben, sondern auch Öffentlichkeits- und Personalentwicklung, die Verbandsarbeit und das sogenannte Tagesgeschäft. „Wir vermieten keine Wohnung, ohne dass ich die zukünftigen Mieter kennenlerne.“ Darauf legt er Wert, genauso wie auf Service. „Als ich damals hier anfing“, erinnert er sich schmunzelnd, „ließen in der Geschäftsstelle alle um 16:30 h den Griffel fallen. Das war in Dienstleistungsunternehmen früher allgemein so üblich. Irgendwann hat´s kurz nach halb mehrfach geschellt und ich fragte, warum macht denn niemand auf? Und der Empfang antwortete: Wenn noch jemand eine Wohnung will, dann muss er eben morgen wiederkommen.“

Heute weiß Tomczak in der Hedwigstraße 5 ein tolles Team um sich, dass seine moderne Einstellung zum Service teilt und entsprechend harmonisch und produktiv ist die Atmosphäre. Auch in der „Chef-Etage“. Mit dem technischen Vorstand Norbert Laufs verbindet Winfried Tomczak ein freundschaftliches Verhältnis und gleiches gilt für den Aufsichtsrat. „Bei uns gibt es weder eine starre Hierarchie, noch den üblichen Streit zwischen Kaufleuten und Technikern. Es geht nicht um Macht, sondern ums Machen. So lassen sich Dinge schnell gemeinsam auf den Weg bringen und umsetzen. Das erleichtert die Arbeit ganz enorm.“

Halbe Miete
Sich verständigen und vermitteln – das ist für Tomczak das A und O oder auch die halbe Miete. Deshalb können Mitglieder den Vorstandsvorsitzenden jeden Donnerstag auch ohne Termin sprechen. „Das finden Sie sonst nirgendwo“, sagt er ganz selbstbewusst und auch ein bisschen stolz. „Wir sind eben ein anderer Vermieter und das zahlt sich aus. Zurzeit haben wir fast 900 Wohnungsbewerber. Und viele davon kommen über Mund-zu-Mund-Propaganda zu uns, weil ihre Freunde oder Verwandten sich in der Genossenschaft gut aufgehoben fühlen.“

Seit den 90er Jahren betreibt das Unternehmen aber auch mehr aktive Mitgliederkommunikation. Im Zuge dessen wurden z. B. der Geschäftsbericht lockerer gestaltet, das Internet erschlossen und der Bienenkorb als regelmäßiges Magazin aufgelegt. Außerdem gibt es immer wieder Marketing-Aktionen mit vermeintlichen Wettbewerbern – den anderen Duisburger Wohnungsgenossenschaften. Das mag manches Mitglied zunächst verwundert haben. „Tatsächlich sind wir aber keine Konkurrenten“, erklärt Winfried Tomczak das gemeinsame Engagement. „Jedes der Unternehmen besetzt mit seinen Beständen andere Stadtteile und alle wollten ihre Außendarstellung stärken. Warum also nicht im Verband zusammenarbeiten? Da erreicht man mehr und spart auch noch Geld.“

Aufbauende Perspektiven
Tomczaks Vorstand investiert mit Umsicht und Weitblick – darüber wacht der Aufsichtsrat. Natürlich braucht man dazu einen Plan und den hat der 57-jährige mit Sicherheit. Schließlich geht es um die Zukunft der Genossenschaft in einem Wohnungsmarkt, dessen Angebot seit vielen Jahren größer ist als die Nachfrage. „Sehen Sie, unser Vorteil ist, dass wir qualitativ attraktiven Wohnraum im unteren Preissegment anbieten können. Deshalb sind über 95% unserer Einheiten belegt und das soll natürlich so bleiben“, bekräftigt er optimistisch. „Also setzen wir weiter auf Modernisierungen und Neubauten mit zeitgemäßem Komfort. Wir brauchen ja auch junge Leute und Familien mit Kindern. Wenn Sie so wollen, unsere Kapitalgeber und Mitglieder von morgen.“

Soviel zu den harten Zahlen, doch auch weiche Erfolgsfaktoren spielen in Tomczaks Konzept eine Rolle: Allen voran Dienstleistungsorientierung und Nachbarschaftlichkeit. Aus diesen Gründen engagierte er einst Seniorenberaterin Susanne Heß, initiierte den Nachbarschaftreff Bienenschwarm und hob das jährliche Sommerfest aus der Taufe. Und auch für die Duisburger Jugend fühlt er sich verantwortlich, zumal die Genossenschaft davon profitiert „1993 war ich selbst fast der Jüngste im Unternehmen“, amüsiert er sich. „Heute betrachte ich es als meine Aufgabe, Nachwuchs auszubilden und den Genossenschaftlern motivierte Ansprechpartner bereitzustellen.“ An Tatkraft und Ideen mangelt es Winfried Tomczak jedenfalls nicht. Seine nächsten Ziele: „Etwas für ledige Mütter im Bienenschwarm und eine Ferienfreizeit für Genossenschaftsjugendliche, die nicht mit ihren Eltern Ferien machen können.“ Der Mann hat das Herz auf dem rechten Fleck.

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